Radwanderung Köln-Mailand

7. bis 25. September 2004

7.9. Dormagen-Bonn (69km)

Abreise um 11:00, erste Pause am Kölner Dom um 13:30, noch eine um 16:00 nach 60km in Rheindorf nach einer Fast-Kollision mit einem alten Mann, der von seiner Federgabel vom Rad katapultiert wird. Ankunft in der hoch gelegenenen Jugendherberge in Bonn um 18:30, Bier im Bönnsche, Ratzen um halb 1. Probleme mit der Beleuchtungsanlage an Andreas Fahrrad.

8.9. Bonn-Oberwesel (112km)

Frühe Abfahrt in Bonn (in Jugendherbergen wird man früh geweckt), Ratzpause in Bad Breisig um 12:30, erreichen Koblenz um 15:30 nach 67km, wo die GPS-Navigation versagt und uns durch ein Industriegebiet führt, grosse Enttäuschung um 18:00 in Boppard, als wir erfahren, dass die Jugendherberge ausgebucht ist, erreichen um 20:00 die JH Oberwesel, radfahrerunfreundlich gelegen auf einem Berg. Die Schaltung von Andreas Fahrrad funktioniert nicht vernünftig.

9.9. Oberwesel-Worms (105km)

Abreise nach Frühstück mit Ei, grosse Pause in Bingen nach 23km mit Auffüllen der evian-Vorräte, neue Kette Shimano HS-70 beim Fahrrad-Franz in Mainz-Mombach, Leistungseinbruch 43km vor Worms um 16:45, erreichen das Tagesziel um 19:45, gut gegessen und getrunken in Worms.

10.9. Worms-Wörth (108km)

Nach dem guten Frühstück bei Danuta auf dem Kurpfalz-Wanderweg von Worms nach Speyer "von Dom zu Dom", Streuselkuchen in Germersheim nach 82km, Übernachtung in Wörth im Hotel "Zum Hirsch", guter Wein im Bayerischen Hof.

11.9. Wörth-Strasbourg (86km)

Abreise bei bewölktem Himmel, analoges Kartenmaterial gekauft, Knochenmühle hinter Lauterbourg, Flasche leer in Drusenheim, die Mitfahrer können keine Energieriegel mehr sehen und rebellieren, endgültiger Durchhänger in La Wanzenau, halbierte Durchschnittsgeschwindigkeit, um 19:30 geduscht und Bier drin im Ibis pont d'Europe.

12.9. Ruhetag in Strasbourg

Team komplett, Kathedrale besichtigt, bei flam's à volonté gegessen, aber nur knapp in der Gewinnzone gelandet, GPS-Navigation aktualisiert.

13.9. Strasbourg-Breisach (91km)

Warten auf Panos am Hotel, kein evian in Grenznähe zu bekommen, Panos bringt Ernährungsplan durcheinander, Spätburgunder gekauft, um 19:30 auf der Dachterrasse des Hotels Schlüssel in Breisach.

14.9. Breisach-Rheinfelden (81km)

Fragen über Fragen: Warum hatten die Wochengäste ein besseres Frühstück als wir? Warum bringt Milchreis mehr Kraft als ein Energieriegel? Was ist ein stomach supply?

Andreas fährt bei km 81 in Rheinfelden rechts ran, als es anfängt, in Strömen zu regnen. Superangebot beim Hirschen: Riesenlappen Cordon bleu, wahlweise mit Fritten oder Spätzle, incl. Getränk für 9 Euro. Gefühlter Preis in Paris: 32 Euro.

15.9. Rheinfelden-Schaffhausen (106km)

Frühstück mit probiotischem Joghurt und Aldi-Tee, die Klamotten sind vom Vortag noch nass, die Temperaturen sind deutlich gefallen, Abreise um 10:00, Kakao und Kaffee zum Aufwärmen in Bad Säckingen, Laugengebäck in Waldshut um 14:30, maximale Höhe 460m über Null, Ankunft abends in der JH Schaffhausen, Rheinfälle besichtigt.

16.9. Schaffhausen-Konstanz (56km)

Schweizer Radfahrer berichten von Militärstrassen in den Alpen, Stephan verhält sich sozial und gibt Socken ab, der Fön aus südlicher Richtung bremst uns aus, Frank hat sich den Fuss verstaucht, frühes Bier in Konstanz um 15:30.

17.9. Konstanz-Buchs (99km, 450m ü.M.)

Andreas trägt zum ersten Mal ein Funktionsshirt - der anstrengende Teil der Reise beginnt. Milchreis bei km 52 nach dem Überqueren der Grenze nach Österreich. Bei Rheineck verlassen wir den Bodensee und erreichen wieder den Altrhein. Der Rückenwind hilft - Ankunft um 18:30 im Hotel zum Hirschen.

18.9. Buchs-Thusis (72km, 735m ü.M.)

Die Beine fühlen sich schon morgens nach dem Aufstehen schwer an. Die ständige Aussicht auf die Berge zehrt an den Nerven. Entgegenkommende Radfahrer berichten von der strengen Auffahrt nach Splügen. Einige Teammitglieder fabulieren von Landgasthöfen und Ruhetagen. Die Veloroute 2 ist gesperrt, wir nehmen die Landstrasse, die ebenfalls deutlich bergauf geht. Wir erreichen Thusis um 17:30, der Gesamtkilometerzähler zeigt 1000 an. Das muss reichen!

19.9. Thusis-Splügen (26km, 1470m ü.M.)

Frühe Abfahrt um 9:40, erreichen nach 4 km die Via Mala Schlucht. Gegen Mittag sind wir nach 14km auf 1100m, Stephan verteilt Magnesium. Nach dem Wasserkraftwerk beginnen um 12:45 die Serpentinen. Es geht zügig nach oben. Nach einer kleinen Pause bei 1200 Höhenmetern erreichen wir um 14 Uhr Splügen auf 1470m. Die Mehrzahl des Teams möchte nicht mehr über den Pass fahren, zumal Sonntags auch keine Lebensmittel mehr zerhältlich sind, und das beste Hotel der Stadt mit Pool, Saune und Terrasse lockt. Wir beenden den Tag mit dem bisher frühesten Bier und übernachten im Hotel Bodenhaus.

20.9. Splügen-Bellano (90km, max. Höhe 2030m ü.M.)

Frühes Frühstück im Hotel Bodenhaus, Einkauf von Nahrungsmitteln bei Volg unmittelbar vor dem Anstieg. Nach einer Stunde sind wir auf 1770m Höhe, der Pass mit den Serpentinen ist zum ersten Mal zu sehen. Der Wind wird stärker, die Temperaturen sinken. Um 11 Uhr erreicht Panos nach 90 Minuten als erster den Pass, die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt nur 7 km/h. Bei nur 11° genehmigen wir uns eine heisse Schokolade.

Um kurz nach 12 beginnt die rasante Abfahrt: Die Felgen werden heiss, Franks Scheibenbremse verliert an Bremskraft. Um 19 Uhr erreichen wir Bellano, treffen die Fehlentscheidung, weiter nach Varenna zu fahren, wo alle Hotels von einer Ingenieurkonferenz belegt sind. Mühsame Rückreise nach Bellano, Streit im Team um die Etappe nach Mailand, letzter Logbucheintrag: "4 Whisky waren zuviel".

21.9. Ruhetag in Bellano

Es geht nicht mehr weiter. Wir legen einen Ruhetag ein und besuchen Bellagio. Im Restaurant im All'Orrido erholen wir uns von den Bananen und Müsliriegeln der vergangenen Tage.

22.9. Bellano-Mailand (84km)

Auf der letzten Etappe bricht das Team fast auseinander. Schwere Entscheidung für Mailand. In Lecco kommen nach 25km nochmal Zweifel auf, ob das Ziel erreichbar ist. Um 18 Uhr erreichen wir nach 1200km Gesamtstrecke Mailand. Siegerbier beim Duomo.

23.9.-25.9. Mailand

Wir verbringen drei Nächte im Hotel Ascot. Die Funktionswäsche wird im Gepäck ganz unten verstaut.

25.9. Mailand-Köln

Plötzlich geht alles ganz schnell. Bei der Ankunft merken wir, dass zu Hause bereits Herbst ist.